"Simbabwe ist meine Muse"
Cynthia Marangwanda ist Dichterin, Schriftstellerin und Aktivistin, die sich für das kulturelle Erbe Simbabwes einsetzt. Sie beschäftigt sich vor allem mit der Entkolonialisierung religiöser Stätten in Simbabwe. Ihre Arbeit ist stark von ihrem Erbe und der Erfahrung afrikanischer Weiblichkeit geprägt. Sie erforscht die Schnittmengen und Konflikte zwischen Tradition und dem Moderne, zwischen dem Lokalen und dem Globalen, dem Spirituellen und dem Materiellen. Als Spoken Word Poetin ist sie auf Festivals und Veranstaltungen in Simbabwe, den Niederlanden, Lesotho und Südafrika aufgetreten. Ihre Gedichte wurden in mehreren Anthologien und Literaturzeitschriften veröffentlicht. Marangwanda lebt und arbeitet in Harare, Simbabwe.
Mbizo Chirasha: Wer ist Cynthia Marangwanda und wie lange schreiben Sie schon?
Mbizo Chirasha ist der Gründer des Writing Ukraine Prize und ein UNESCO-RILA affiliate Artist. Er hat Stipendien und Aufenthalte in Deutschland, den USA, Sambia, Ghana, Tansania und Schweden absolviert. Er ist Herausgeber und Kurator mehrerer Literaturplattformen, darunter Time of the Poet Republic und Brave Voices. Als Autor von A Letter to the President erscheinen seine Werke in über 200 Zeitschriften weltweit, darunter The Evergreen Review, Poetry London und FemAsia Magazine.
Cynthia Marangwanda: Vielen Dank für diese Gelegenheit, über meine Arbeit zu sprechen. Im Grunde bin ich ein poetisches Wesen und eine Liebhaberin aller Künste. Ich funktioniere hauptsächlich über meine Vorstellungskraft und betrachte mich daher als kreative Träumerin. Einfach ausgedrückt bin ich Dichterin, Autorin und angehende Dramatikerin. Ich bin seit fast achtzehn Jahren eine praktizierende Künstlerin, obwohl meine Reise schon viel früher begann. Ich begann im Alter von neun Jahren zu schreiben, nachdem ich eine Geschichte über Aladdin gelesen hatte, die mich dazu inspirierte, meine eigene Geschichte zu schreiben. Ich bin eine großer Liebhaberin von Sprache selbst. Ich liebe es, wie man mit Sprache unendliche Universen erschaffen kann. Der Schreibprozess ist meine eigentliche Muttersprache, es ist das Natürlichste und Instinktivste, was ich habe. Durch das Schreiben erkenne ich den Sinn der Welt und den Sinn dieser verwirrenden Bestie namens Leben. Nur wenn ich schreibe, fügen sich alle meine fragmentierten Teile zu einem Ganzen zusammen. Schreiben ist auch ein ideologisches Werkzeug, das ich benutze, um meine Botschaften zu verbreiten. Ich glaube, dass das Schreiben ein revolutionäres Instrument sein kann, das die Macht hat, die Sache der sozialen Befreiung und des Fortschritts zu unterstützen. Ich nehme die Gabe des Schreibens keineswegs auf die leichte Schulter, sie ist für mich eine sehr ernste Angelegenheit. Ich bin nicht nur Schriftstellerin, sondern setze mich auch leidenschaftlich dafür ein, das kulturelle Erbe Simbabwes durch Aktivismus zu fördern und zu bewahren. An der Universität habe ich mich auf die Themen Frauen und Geschlecht konzentriert, die ich in mein Schreiben einfließen lasse, indem ich feministische und frauenzentrierte Themen einbeziehe.
Wie definieren oder beschreiben Sie "literarische Kultur" bzw. Schreibkultur?
Für mich ist "literarische Kultur", wenn das Schreiben eine formale Struktur annimmt, oder besser gesagt, das Schreiben als formalisierte Bewegung. Dazu gehören Schriftsteller, Bücher, Leser, Verlage, Literaturfestivals, Literaturmagazine und -zeitschriften, Kritiker und Rezensenten, die alle zur Gestaltung und Aufrechterhaltung eines literarischen Ökosystems beitragen. Dies ist also der Moment, in dem das Schreiben institutionalisiert wird. Schreibkultur ist dann das Schreiben als kreativer Ausdruck im kollektiven Sinne, in all seiner Vielfalt und Unterschiedlichkeit. Dazu gehört das kreative Schaffen von Schriftstellern, die verwendeten Stile, Formen und Ansätze sowie die Art und Weise, wie das Geschriebene weitergegeben und präsentiert wird.
Wie sind Sie in die Buch-, Literatur-, Kreativ-, Kunst- und Schreibbranche hineingewachsen?
Mein Einstieg in die Literatur- und Kunstbranche erfolgte ganz simpel durch Vererbung. Damit meine ich, dass mir der kreative Instinkt von meinem Großvater väterlicherseits, von J.W. Marangwanda, vererbt wurde. Er war ein Schriftsteller, dessen Roman Kumazivandadzoka zum grundlegenden Kanon der Shona-Bücher gehört, die während der Kolonialzeit in Simbabwe entstanden. Man kann also mit Sicherheit sagen, dass mir das Schreiben im Blut liegt und meine literarische Berufung genetisch bedingt ist. Meine Liebe zum Schreiben ist im Grunde ein Familienerbstück, das mir vererbt wurde und für das ich verantwortlich bin. Von klein auf fühlte ich mich zu Geschichten, Büchern und der Vorstellung anderer Welten und Realitäten hingezogen. Als ich neun Jahre alt war, nahm ich einen Stift in die Hand, um meine erste Geschichte zu schreiben, und seitdem habe ich ihn nicht mehr aus der Hand gelegt.
Wurden Sie denn während Ihrer Kindheit gezielt mit Büchern, Religion, Kultur und Musik in Berührung gebracht?
Als ich aufwuchs, wurde ich durch die Leidenschaft meiner Mutter mit Büchern in Berührung gebracht. Sie brachte von ihrem Arbeitsplatz Dutzende von Büchern mit nach Hause, die mich dann zum Lesen anregten. Es waren vor allem amerikanische Romane, viele davon Klassiker, und ich verschlang sie mit Heißhunger. Das entfachte meine Liebe zum Lesen, die sich fortsetzte, als ich älter wurde. In der High School war ich ständig in der Schulbibliothek und las so viel ich konnte. Was die Religion angeht, so war meine Familie nicht übermäßig religiös. Meine Mutter ging zwar in die Kirche, aber meinen Geschwistern und mir wurde nie das Gefühl vermittelt, dass wir unbedingt in die Kirche gehen müssten. Ich kam hauptsächlich durch das anglikanische Internat, das ich als Teenager besuchte, mit Religion in Berührung. Was die Kultur angeht, so wurde ich durch meine Großmutter mütterlicherseits und meine Großmutter väterlicherseits an die Kultur herangeführt, die beide sehr stark im traditionellen afrikanischen Glauben verwurzelt waren, den sie mir so gut wie möglich zu vermitteln versuchten. Was die Musik anbelangt, so wurde ich in der Grundschule von einem Klassenkameraden mit Hip-Hop bekannt gemacht, und das wurde zum bestimmenden Sound meiner Jugend. Es gibt viel schöne Poesie in der Hip-Hop-Musik, die mich als Dichterin selbst immer wieder inspiriert hat.
Wer sind für Sie die besten Schriftsteller, Autoren oder Romanciers in Simbabwe, Afrika und der Welt?
An der Spitze meiner Liste stehen die beiden simbabwischen Größen - Dambudzo Marechera und Yvonne Vera. Beide sind Meister der Sprache und der Geschichte. Vor allem Marechera hat einen immensen Einfluss auf mich, dessen Werk ich oft zur Inspiration heranziehe. Dann auch die beiden nigerianischen Größen - Ben Okri und Amos Tutuola. Die Lektüre ihrer Bücher ist für mich eine endlose Quelle der Freude und des Staunens. Eine weitere Koryphäe, deren Schreiben ich sehr bewundere, ist Ayi Kwei Armah. Darüber hinaus sind die Werke von Toni Morrison, Octavia Butler, Gloria Naylor und Sylvia Plath für mich immer wieder sehr lohnend zu lesen.
Sind Sie der Meinung, dass auch die Bevölkerung Simbabwes Ihre künstlerischen Fähigkeiten und Ihr kreatives Talent geprägt hat?
Die Bevölkerung Simbabwes hat meine künstlerische und kreative Arbeit definitiv geprägt, denn ein Großteil meiner Texte ist stark von Simbabwe und seinen Menschen inspiriert. Ich bin extrem patriotisch (wenn auch nicht blind) und ich liebe die Komplexität der simbabwischen Ethnien. Ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass Simbabwe meine Muse ist und die simbabwische Gesellschaft eine Goldmine ist, die mir immer wieder neue Anregungen gibt. Die Geschichte und Kultur Simbabwes bilden den Kern vieler meiner Arbeiten. Ich habe auch viel von den Arbeiten verschiedener simbabwischer Künstler gelernt und profitiert. Ich kann das gar nicht genug betonen, dass der Geist meines Volkes zweifellos einen großen Einfluss auf meine Kreativität hatte und immer noch hat.
Wie schaffen Sie es, Ihre Schriftstellerkarriere, Ihre Familie, Ihren beruflichen Alltag und Ihre Kreativität unter einen Hut zu bringen?
Ich habe keinen festen Job, also ist mein Leben im Grunde genommen zwischen Familie und kreativer Arbeit aufgeteilt. Ich tue mein Bestes, um beide Aspekte unter einen Hut zu bringen, aber die Anforderungen des häuslichen Lebens überwältigen mich oft zum Nachteil meines künstlerischen Lebens. In den letzten zehn Jahren lag mein Hauptaugenmerk auf der Mutterschaft, der Führung eines Haushalts und der Versorgung meiner Familie. Es ist bemerkenswert, wie herausfordernd häusliche Angelegenheiten sein können und wie viel Politik in einem Haushalt steckt! Das hat dazu geführt, dass ich den Kontakt zu einem Großteil der künstlerischen Community, der ich früher angehörte, verloren habe, was natürlich nicht ideal ist. Ich habe manchmal nicht die Kapazität, mich diesen ganzen künstlerischen Aktivitäten zu beteiligen, aber ich bemühe mich, wann immer ich kann, dann doch dabei zu sein. Trotz allen Drucks bleibe ich meinem Schreiben treu und lege Wert darauf, so kreativ wie möglich zu sein.
Sind Sie der Meinung, dass Afrika inzwischen die Fackel als friedlicher Kontinent trägt? Wie sehen Sie das als aktivistische Schriftstellerin?
Ich denke, Afrika hat große Fortschritte gemacht, um die Fackel als friedlicher Kontinent tragen zu dürfen, aber es gibt immer noch viel zu tun. Konflikte in Ländern wie dem Sudan, extremistische Gewalt in der Sahelzone, außergerichtliche Tötungen und Gewalt im Zusammenhang mit Wahlen in bestimmten Staaten müssen alle angegangen und vollständig ausgerottet werden. Die Rückbesinnung auf afrikanische Werte wie Unhu/Ubuntu kann eine große Hilfe bei der Förderung des Friedens in unseren afrikanischen Gesellschaften sein, denn sie erinnern uns an unsere Verbundenheit untereinander und an unsere Verantwortung, die Menschlichkeit und Würde des anderen zu wahren. Ich bin optimistisch, dass Afrika auf dem richtigen Weg ist, um einen kontinentalen Frieden zu erreichen, und dass sich mit genügend Willenskraft ein friedlicher Status quo durchsetzen kann.
Wie viele Bücher haben Sie bisher geschrieben?
Ich habe bisher zwei Bücher geschrieben. Mein Debüt ist Shards, eine surrealistische Novelle im Stream of consciousness, die 2014 veröffentlicht wurde. Es ist die Geschichte einer jungen Frau, die in eine existenzielle Krise gerät, als sie von ihren Vorfahren mit Forderungen konfrontiert wird, die sie nur schwer annehmen kann. Sie wurde als Gothic-Novelle geschrieben, was meiner Meinung nach gut passt. Shards wurde bei seinem Erscheinen recht gut aufgenommen, was mich sehr gefreut hat. Es wurde 2023 von Carnelian Heart Publishing neu aufgelegt, nachdem es einige Jahre lang vergriffen war. Meine zweite Veröffentlichung trägt den Titel The Toppling, eine Geschichte über eine spirituell begabte Frau, die von einem berüchtigten Kolonialgeist heimgesucht wird. Sie wurde im September 2025 veröffentlicht, ist also noch relativ neu. Das sind bisher meine beiden Prosa-Sprösslinge, aber ich hoffe, dass hier noch weitere Nachfahren geben wird.
Haben Sie durch Ihr Schreiben Auszeichnungen, Preise und Stipendien gewonnen?
Ich habe 2015 den National Arts Merit Award Simbabwes für mein erstes veröffentlichtes Werk "Shards" gewonnen. Im Jahr 2012 war ich außerdem Poet-in-Residence am Theater Dakota in Den Haag. Zuletzt nahm ich an der Almasi African Playwrights Conference in Harare im Dezember 2025.
Was ist Ihre Lieblingsspeise bzw. Ihr Lieblingsgericht?
Süßkartoffeln und Mais sind meine Lieblingsspeisen, besonders wenn sie frisch gekocht sind. Von klein auf habe ich diese beiden Zutaten über alles geliebt, und ich lasse keine Gelegenheit aus, sie zu essen. Für mich sind sie der Inbegriff von lecker und köstlich. Gekochte Süßkartoffeln mit einer dampfenden Tasse Tee sind eine himmlische Mahlzeit! Lassen Sie mich gar nicht erst von der schieren Glückseligkeit, einen warmen, gesalzenen Maiskolben anfangen zu erzählen - ein wahrhaft ekstatisches Erlebnis!
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