Schreiben gegen das Vergessen
Simon & SchusterIman Humaydan | Songs for Darkness | Simon & Schuster
In diesem in Paris aufgezeichneten, weit ausgreifenden Gespräch spricht die libanesische Schriftstellerin Iman Humaydan über ihren jüngsten Roman Songs for Darkness, eine Familiengeschichte, die vier Generationen von Frauen und beinahe ein Jahrhundert libanesischer Geschichte umfasst. Statt Geschichte als öffentliches Drama zu erzählen, untersucht Humaydan, wie Krieg, Patriarchat, Migration und politisches Versagen in den Alltag eindringen und private Träume, familiäre Strukturen und über Generationen weitergegebene Traumata prägen.
Das Gespräch führt von der leisen literarischen Stimme des Romans zu Fragen des Feminismus, der Staatsbürgerschaft und des uneingelösten Versprechens des Libanon als Land vieler Gemeinschaften. Humaydan erläutert, warum sie Literatur nicht in Aktivismus verwandeln möchte – und weshalb fiktionales Erzählen dennoch eindringlich von Gewalt, Erinnerung und der Unterdrückung weiblicher Lebensentwürfe sprechen kann.
Darüber hinaus geht es um die Rolle des libanesischen Romans bei der Bewahrung eines zersplitterten nationalen Gedächtnisses, um die Rezeption ihres Werks in den Vereinigten Staaten und Frankreich, um die Schwierigkeiten bei der Übersetzung arabischer Literatur sowie um ihr aktuelles Schreiben über die libanesische Diaspora in New York. Im Zentrum des Interviews steht ein zutiefst persönliches Verständnis von Literatur: als Möglichkeit, gelebtes Leben zu bewahren, verschüttete Erinnerungen wieder freizulegen und zu fragen, warum sich Gewalt immer wiederholt – im Libanon und weit darüber hinaus.
Am Ende des Gesprächs sagt Humaydan: »Solange ich auf Arabisch träume, werde ich auch auf Arabisch schreiben.«
Sprache: Englisch | Dauer: 39:52
Zur redigierten deutschen Textversion dieses Interviews klicken Sie bitte hier.
Hat Ihnen dieser Text gefallen? Dann unterstützen Sie doch bitte unsere Arbeit einmalig oder monatlich über eins unserer Abonnements!
Wollen Sie keinen Text mehr auf Literatur.Review mehr verpassen? Dann melden Sie sich für unseren Newsletter an!